IM KLOSTER HIRSAU

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schöne Freundlichkeit des Herrn!

Psalm 27,4

Der Ort „Kloster Hirsau“

Das Gelände des alten Klosters Hirsau atmet – trotz (oder vielleicht sogar gerade wegen) seiner Fragmenthaftigkeit – etwas, was Menschen mit den Worten „Friede“, „Schönheit“ und „Transzendenz“ beschreiben. Pro Jahr besuchen zwischen 20.000 und 30.000 Besucher das Kloster Hirsau. Es ist spürbar, dass dieser Ort ein geistlicher Ort war und ist, der das religiöse Gefühl vieler Menschen anspricht. Man könnte sagen: Der Ort Kloster Hirsau „verkündigt“ auf eine intensive, aber zugleich vage, deutungs-bedürftige Art und Weise die Gegenwart Gottes. In den letzten sechs Jahren haben wir deshalb versucht, diesen Ort mehr und mehr geistlich zugänglich zu machen.

Grundidee und Vision

Die Grundidee all unserer Angebote: Wir wollen Angebote schaffen zur Deutung und zur Interaktion mit dem, was (bzw. wen) die Menschen hier spüren. Menschen sollen mit dem dreieinigen Gott, dessen Gegenwart sie hier spüren, in Kontakt und ins Gespräch kommen. Die Vision lautet: Wir träumen davon, dass das alte Kloster Hirsau wieder neu zu einem Ort der Gottesbegegnung und des Gebets wird. Ein Ort, an dem Menschen mit der Schönheit Gottes in Berührung kommen. Ein Ort, an dem Menschen die verwandelnde Schönheit und Kraft von Gebet entdecken und – ein Stück weit – sogar „erlernen“ können.

Zielgruppe(n)

Unsere geistliche Arbeit an diesem Ort richtet sich an zwei unterschiedliche Zielgruppen:

  1. Kirchlich verwurzelte Menschen (evangelisch-landeskirchlich, katholisch, evangelisch-freikirchlich), für die Gott über die Jahre irgendwie seinen Glanz verloren hat, die Gebet oft als mühsam empfinden, deren Alltagsglaube in Routine „erstarrt“ ist. Ihnen wollen wir Räume eröffnen, in denen sie die Schönheit und die Faszination Gottes und des Gebets neu entdecken. Unsere Hoffnung und unser Gebet ist, dass sie diese Begeisterung anschließend in ihre Gemeinden tragen und so an vielen Orten eine neue tiefe Wertschätzung und Leidenschaft für Gott und das Gebet entsteht.
  2. Kirchenferne(re) Menschen, die bisher Kirche als (eher) trocken und nicht hilfreich erlebt haben, die aber Sehnsucht nach Gottesbegegnung verspüren und innerlich auf der Suche sind: sie sollen erleben, dass Kirche sie mit unserem guten, dreieinigen Gott in Kontakt bringt, dass Kirche ihnen einen Raum eröffnet, um Gott selber zu begegnen. Die kirchlich verwurzelten Menschen haben mit den Angeboten an unserem Ort einen faszinierenden, neugierig machenden Ort, an den sie diese spirituell Suchenden einladen können.

Das Angebot

Mittlerweile ist eine gewisse Dichte an geistlichen Angeboten und „Erlebnismöglichkeiten“ entstanden. Die drei Grundpfeiler sind:

  • „MeineZeit“: Ausflugstouristen können das Kloster auf eigene Faust geistlich entdecken – anhand von ständigen Gebetsstationen in der Marienkapelle, anhand des Flyers „Lebensräume aufspüren“ der Arbeitsgruppe Klöster der Landeskirche (klosterorte.de) und anhand des geistlichen Klosterführers „Lebensraum“.
  • „KlosterZeit“: während unserer KlosterZeit kehrt das immerwährende Gebet an diesen alten Ort des Gebets zurück. Herzstück sind ca. 20 Gebetsstationen in unserer Kirche, die den Besuchern in dieser Zeit Tag und Nacht offen steht. Dazu gibt einzelne Veranstaltungen, die verschiedenen anderen Formen von Gebet Raum geben und im Kreuzgang eine Austellung mit meditativen Bildern und Texten. Nachts ist das Klostergelände auf besondere Weise in Licht getaucht. Ein genauer Einblick findet sich (inkl einem kleinen Trailer) unter kloster-zeit.de. Das Format wurde ganz frisch mit dem „Verkündigungpreis 2019“ der Bergmoser + Höller-Stiftung ausgezeichnet (dotiert mit 5000,- €).
  • „EinkehrZeit“: Dies ist der neue Name für unsere geistlichen Klosterführungen. Größere und kleinere Gruppen können diese Führungen auf sich zugeschnitten buchen und sich anschließend (oder vorher) im „Café im Kloster“ stärken. Darüber hinaus werden jedes Jahr fünf neu konzipierte Klosterführungen offiziell ausgeschrieben.

Ein viertes Angebot soll spätestens 2020 entstehen und einmal im Monat angeboten werden:

  • „AusZeit“: eine meditative Wochenabschluss-Andacht sonntags um 17 Uhr, in der Menschen in einem ersten Teil ihre vergangene Woche unter mehreren möglichen Fragestellungen noch einmal Revue passieren lassen und vor Gott bringen können. In einem zweiten Teil wird die kommende Woche in den Blick genommen, ein kleiner Bibeltext wird in die neue Woche hinein gesprochen und es besteht die Möglichkeit zur persönlichen Segnung.

Digitale Weiterentwicklung des Projekts

In den nächsten sechs Jahren soll in drei Schritten das bisherige digitale Angebot ausgebaut und stark weiterentwickelt werden. Die Leitidee dieser Weiterentwicklung: Wir wollen eine möglichst enge Verzahnung von analogem Erleben vor Ort und digitaler Vor- bzw. Nachbereitung (= Vertiefung).

  • Auf amen-atmen.de wird schrittweise ein neues, virtuelles „Eingangsportal“ entstehen, das den Besuchern auf sehr hochwertige, ästhetische Weise den geistlichen Ort Kloster Hirsau und die zentralen Angebote vorstellt.
  • In einem zweiten Schritt sollen Materialien entwickelt werden (Stichwort „digitale Mystik“), die es den Besuchern ermöglichen, zuhause das zu vertiefen, was sie während ihres Besuches des Klosters Hirsau (geistlich) erlebt haben (z.B. eine App mit modernen Tagzeitengebeten für morgens und abends im mp3-Format, die zweimonatlich wechseln; oder eine Art „Online-Trainingskurs Gebet“). Auch bereits bestehende Angebote (wie z.B. xrcs.de) sollen gebündelt vorgestellt und beworben werden.
  • In einem dritten Schritt soll eine Strategie entwickelt werden, die geistliche Arbeit im Kloster Hirsau in den Sozialen Medien vorzustellen. Darüber hinaus sollen regelmäßig kleine geistliche Impulse geteilt und die Möglichkeit eröffnet werden, mit (potenziellen) Besuchern ins Gespräch zu kommen.

„Wir Christen sollten uns nicht scheuen, Schönheit und Güte als unsere besten Werkzeuge für die Evangelisierung zu betrachten. (…) Warum? Weil das Erlebnis großer Schönheit und außerordentlicher Güte unsere Rationalität umgeht und uns direkt ins Herz trifft. Wir reagieren unmittelbar auf Schönheit und Güte und begehren das, was sie uns offenbaren. (…)   Nicht-Glaubende in der Welt von heute, die kein Verständnis für die Aussagen des Evangeliums aufbringen, können durch christlich motivierte Schönheit und Güte dennoch eine lebensverändernde, wortlose Begegnung mit dem Evangelium erfahren. (…) In einer Zeit, in der Logik und Vernunft angezweifelt und sogar offen abgelehnt werden und in der die Begierden des Herzens von der populären Kultur glorifiziert werden, besteht der wirksamste Weg zur Evangelisation darin, den Leuten dazu zu verhelfen, Schönheit und Güte zu erfahren. Von diesem Ausgangspunkt helfen wir ihnen zu begreifen, dass in Wahrheit alles Gute und Schöne von dem ewigen Gott ausgeht, der uns liebt und der will, dass wir in eine Beziehung mit ihm eintreten.“       (aus: Rob Dreher, die Benediktoption, S.189f.)